Gestern hatte das Sächsische Kultusministerium zur Pressekonferenz geladen. Soweit ist dies nicht sonderlich erwähnenswert, aber: Die Jugendpresse Sachsen war mit dabei. Als ihr Vertreter vor Ort begrüßte ich 120 Schülerzeitungsredakteure im Dresdner Ministerialgebäude und bereitete sie auf das anschließende Ministergespräch vor. Eine kleine Reportage mit Fotos.
11 Uhr 30, Dresden, Straßenbahnhaltestelle Carolaplatz. Gerade erst aus der Straßenbahn gestiegen, stiefel ich über den großen Platz an der Carolabrücke und weiß nicht so Recht, wo ich hin soll. Weiter vorn seh ich zwei Mädchen, einen jungen Mann nach dem Weg fragen. Danke, das erspart mir selbiges. Ich folge den beiden und stehe schließlich vor dem alten Gebäude. Das Schild zur Linken: Staatsministerium der Finanzen. Zur Rechten: Staatsministerium des Kultus. Ein gemeinsamer Eingang im gleichen Gebäude. Da sitzt der wichtigste Ansprechpartner der Bildung ja nicht weit entfernt.
Vor dem Zimmer 402 warten die früh eingetroffenen Schülerzeitungsredakteure. Ich lasse mich in die Saaltechnik einweisen und werde nervös, während sich der Konferenzsaal füllt. Ich habe noch Zeit bis zu meinem Auftritt. Nach dem Lösen einiger Wortlautprobleme im BGB wechsele ich zur aktuellen FAZ: viel Konjunktur und wenig Politik aus dem Bundestag. Wahlkampf eben.
Erwartungsfrohe und skeptische Blicke erwarten mich, als ich das Mikrofon nehme und beginnen möchte. “Was macht der Typ davorn? Ist der nicht ein wenig zu jung, um Minister zu sein?” Solche oder ähnliche Fragen zeichnen sich in den Gesichtern ab. Ich beginne die Begrüßung mit etwas Statistik: Den Handmeldungen zufolge ist der Großteil der Anwesenden zwischen 15 und 17 Jahre. Erfreulich ist auch die Anwesenheit der Jüngeren. Ich stelle die Arbeit der Jugendpresse vor: Bundesverband, Landesverband, Mobile Akademie, Jugend-Presseausweis. Ich reiche ein Infoblatt der Friedrich-Ebert-Stiftung herum, das für ein EU-Seminar für Jugendredakteure wirbt. “Ich krieg kein Geld dafür oder so. Aber ich dachte, das könnte euch interessieren”, erkläre ich.
Nachdem ich die üblichen Formalia geklärt habe, kommen wir zum interessanten Teil. Ich lasse Themen für die anschließenden Pressekonferenz sammeln. Sehr unterschiedliche Themen werden problematisiert: der aktuelle Stand der Bildung, Zukunft der Bildung in Sachsen, überfüllte Lehrpläne, unterfinanzierte Schulen, geschlossene Schulen in ländlichen Gebieten. Einzelne Schicksale und sehr abstrakte Fragen mischen sich.
Ich bin froh, dass sich die Redakteure so hervorragend vorbereitet haben und dass sich auch soviele trauen, ihre Ideen zu teilen.
Die Zeilt eilt voran und ich halte nicht mit. Zwei vollgekritzelte Flipchart-Blätter später ist mein Teil des Tages auch schon vorüber. Die Redakteure drängen in den Flur, wo es Kekse und Getränke gibt und zwei Führungen durch das Ministerialgebäude beginnen.
Die Aufregung hatte sich längst gelegt, aber den Orangensaft lasse ich nicht ungenutzt.
Noch Fragen?
Der Minister erscheint. Seine Pressesprecherin stell uns einander vor. Wir plauschen ein wenig. Er kenne ja auch noch die alte Jugendpresse. Den blauen Jugendpresse-Ausweis hätte er damals auch schon gehabt. Es gab ihn nur nicht aus Plastik. Die Idee zu dieser Pressekonferenz wäre ihm gekommen, da es ähnliches zu seiner Zeit als Schülerzeitungsredakteur gab, damals noch in Baden-Württemberg.
Die Mutigen, die als erstes zur Themenbesprechung an das Mikofon gingen, ergreifen auch hier beginnend das Wort. Der Minister antwortet abgeklärt, wie es sich für eines solchen gehört. Ich bemerke, dass er sich bemüht, wenige platte Antworten zu geben. Er versucht die Schüler über Probleme aufzuklären und die Schwierigkeiten oder Verfahrensweisen, die im Ministerium stattfinden, begreiflich zu machen. Da, wo er es nicht kann, übernimmt der Abteilungsleiter des Kultusministeriums, der tiefer im Alltagsgeschäft ist.
Es zeigt sich, dass ich die Zeit besser hätte einteilen müssen. Weniger Themen besprechen, sondern die Gelegenheit nur zu nutzen, um die kleine Angst der Redakteure zu nehmen, vor den vielen Gesichtern zu sprechen. Ich hab den wichtigen Apell vergessen: Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht! Ich sehe bei den Redakteuren immer wieder das gleiche Problem, das auch ich aus den ersten Konferenzen kenne. An das Mikrofon getreten, tief Luft holen, Name, Redaktion, Frage formulieren und nicht verhaspeln. Puh, geschafft. Und während die Anspannung abfällt und die Frage gestellt ist, verpasst man die Antwort. Ein kritisches Nachfragen ist dann kaum möglich.
Ich nehme es für das nächste Mal mit.
Es ist ein ungewohntes Gefühl die Pressekonferenz von der anderen Seite zu erleben. Kenn ich es doch bisher nur, zwischen anderen Journalisten zu sitzen, bin ich nun vorn. Sitzordnung: Minister Wöller, die Pressesprecherin und ich. Die Veranstaltung ist gelungen finde ich, findet die Pressesprecherin und der Minister. Dann sind wir uns ja einig. Ich beantworte noch einige Fragen für ein Interview und muss mich schrecklicherweise fotografieren lassen.
15 Uhr, Dresden, Carolaplatz. Das Ministerium hat mich nicht aufgefressen, gutes Zeichen. Aber dafür habe ich jetzt Hunger.

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