“Jo, is denn heut’ scho’ Weihnachten?” – Ich hasse diesen Satz. Man hätte schon vor Jahren, als Kaiser Franz mit diesem Spruch für den bekannten Mobilfunkkonzern warb, eben selbigen auf Unterlassung verklagen sollen. Aber wer konnte schon erahnen, dass der Spruch, zum geflügelten Wort aufgestiegen, die darauffolgenden Winterzeiten unterlaufen würde! Doch wen kümmert’s? Unser rhetorisches Tiefdruckgebiet, der Franzl, ist ja noch versönlich im Vergleich zu all den anderen Eigenheiten, die die Winterzeit alljährlich so mit sich bringt.
“Himmel, es hat geschneit!”
Gefühlt verunglücken täglich die Bewohner von zehn Mehrfamilienhäusern auf unseren Straßen, weil sie vom Schnee überrascht wurden. Verständlich, denn der Winter war ja auch keineswegs vorherzusehen. Würde er periodisch auftreten – sagen wir jedes Jahr-, dann wäre das natürlich etwas anderes. Die Verunglückten, Gott steh’ ihnen bei, werden dann auch noch allabendlich, medial aufbereitet zum Abendbrot dem nicht minder überraschten TV-Publikum serviert. Aber solche Dinge passieren: Die Winterreifen werden schließlich erst im neuen Jahr aufgeschnallt, spätestens jedoch zu Ostern!
Gestern Nacht hatte ich einen Traum – nein, eine Vision! Mir wurde eine göttliche Offenbarung zuteil. Die Rettung aller kommender Winter ist geboren. Vergangene Nacht gebar ich die Ultima Ratio aller Winter-Überraschungen: Ich nenne sie Weihnachten. Das Konzept ist umwerfend kapitalistisch. Jedes Jahr, zur gleichen Jahreszeit wird ein Fest veranstaltet. Geschenke sollen einander die Nächsten-, Familien-, Partner- und Geschwisterliebe beweisen. Schon Wochen, was sage ich Monate, davor wird das Fest angepriesen. Auf diese Weise wird über mit der Zeit das Wort Weihnachten, das wie ein bescherendes Damokles-Schwert über der dunklen Jahreszeit liegt, mit dem Wort Winter assoziiert werden.
Beides wird zur unteilbaren Einheit. Wer Winter meint, wird Weihnachten sagen – und umgekehrt. Und wenn dann Franzl mal wieder aus der Versenke kommt und fragt “Jo, is denn heut’ scho Weihnachten?”, wird in allen Autofahrern die natürliche Assoziationskette beginnen: “Weihnachten, Winter, Schnee – Schatz, ich geh die Winterreifen aufziehen!”
Aber was fantasiere ich: Es bleibt ja doch nur eine Vision – und den Satz hasse ich immer noch.

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