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	<title>Jonny Krüger &#187; Journalistische Stilformen</title>
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	<description>Der Blog.</description>
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		<title>Journalistische Texte</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Nov 2007 20:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonny Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geholfen]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Stilformen]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Texte]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Dies soll eine kurze Anleitung sein, wie man journalistisch arbeitet. Der Text ist im Zuge des Medienlagers 2005 entstanden.</p>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p><strong>I. Einleitung</strong></p>
<p>Mir ist bewusst, dass man mit einem Text von 10 Seiten aus journalistisch Interessierten keinen guten Journalisten machen kann. Dieser kleine Leitfaden soll dazu dienen, das Interesse an der journalistischen Arbeit zu wecken und dennoch zu zeigen, wie umfangreich und schwierig oft die Arbeit eines Journalisten sein kann.<br />
Dies kann schon bei der Recherche anfangen und hört spätesten bei der Glosse auf, da dies eine der schwierigsten Artikelformen ist. Dazu später mehr.<br />
Ich hoffe, dass&#8230;</p>


No related posts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies soll eine kurze Anleitung sein, wie man journalistisch arbeitet. Der Text ist im Zuge des Medienlagers 2005 entstanden.</p>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p><strong>I. Einleitung</strong></p>
<p>Mir ist bewusst, dass man mit einem Text von 10 Seiten aus journalistisch Interessierten keinen guten Journalisten machen kann. Dieser kleine Leitfaden soll dazu dienen, das Interesse an der journalistischen Arbeit zu wecken und dennoch zu zeigen, wie umfangreich und schwierig oft die Arbeit eines Journalisten sein kann.<br />
Dies kann schon bei der Recherche anfangen und hört spätesten bei der Glosse auf, da dies eine der schwierigsten Artikelformen ist. Dazu später mehr.<br />
Ich hoffe, dass ich den Leser mit den vielen Regeln, die es zu beachten gilt, nicht verschrecke. Journalistik kann so schön sein, aber man muss nun mal wie überall im Leben einiges beachten.<br />
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und beim Schreiben von Artikeln!</p>
<p><strong>II. Vor der Arbeit</strong></p>
<p>Bevor man mit dem Schreiben eines Artikels be­ginnt, sollte es klar sein, worüber man schreibt. Das klingt sicherlich einleuchtend, dennoch ist es nicht unwichtig, sich genügend Informationen für ein Thema zu besorgen, das es journalistisch zu erfas­sen gilt. Diese Informationsbeschaffung ist die wichtigste Grundlage beim Verfassen ei­nes Artikels. Durchgeführt wird dies in der Re­cherche.</p>
<p><strong>III. Die Recherche</strong></p>
<p>Die Recherche ist die eigentliche journalistische Arbeit. Hierbei muss Schritt für Schritt er­fasst werden, ob ein Thema relevant für den Leser ist und schließlich, wie man an verwertbare Informatio­nen zum Thema gelangt.Bei der Ideenfindung sollte die Relevanz des Themas nicht vergessen werden: Gibt es einen interessanten Aspekt an der Geschichte? Ist sie von allgemeiner Wichtig­keit? (z.B. die Schlie­ßung einer Schule…)<br />
Danach sollten die Erstinformationen überprüft werden. (Wird die Schule wirklich ge­schlossen?)<br />
Stimmen dann die Quellen? Wer vertritt welches Interesse? (Lehrer, Schüler, Stadt­rat…) Passen die Aussagen zusammen oder herrscht gar Verwirrung unter den Be­teiligten? Dabei gilt der Leitsatz „Never rely on one source!“, „Vertraue niemals auf eine Quelle!“<br />
Danach geht man zur Informationsverdichtung über. Wer hat wann was gesagt? usw.</p>
<p>Für die eigentliche Recherche sollten Hypothe­sen aufgestellt werden. Damit wird schon ein roter Faden für den Artikel gelegt. Am Beispiel der Schule: Der Stadtrat wurde zu diesem Entschluss gezwungen; der Schuldirektor hat die Schüler zum Streik auf­gefordert etc.<br />
Der nächste Schritt ist ein Befragungsplan, in dem festgelegt wird, welche Aussagen von wem gebraucht werden. Dabei sollte auf die verschiedenen Interessen geachtet werden. Eine einseitige Berichterstattung ist unseriös!</p>
<p>Die eigentliche Befragung von Beteiligten sollte „von Außen nach Innen“ erfolgen, d.h. von neutral und unbeteiligt bis direkt beteiligt. Dabei ist es zu empfehlen, abwechselnd die Befürworter und die Gegner einer Sache zu befragen. Also beispielsweise vom Nachbar der betroffenen Schule hin zu einem Schüler oder Lehrer; bzw. von einem Stadtratsmitglied zum Direktor, vom Regionalschulamt zu einem Schüler usw.<br />
Vor der Befragung sollte klar sein, von wem welche Information kommt. Im Idealfall weiß man die Antworten derjenigen schon vorher, dennoch muss die Befragung erfolgen, da ansonsten der Text auf Mutmaßungen des Autors basieren würde.</p>
<p>Danach müssen nur noch die Ergebnisse ausgewertet werden und der Artikel ist bereit für das Niederschreiben.<!--more--></p>
<p><strong>IV. Das Interview</strong></p>
<p>Es gibt zwei Arten von Interviews:<br />
1. Rechercheinterview zur Informationsbeschaffung<br />
2. abdruckfähiges Interview</p>
<p>Grundsätzlich sind folgende Dinge bei einem Interview wichtig:<br />
Das Fragethema sollte vom Journalisten im Idealfall von vorn bis hinten zum Wissen gehören. Das setzt eine intensive, allgemeine Recherche voraus.<br />
Die Person sollte dem Journalisten bekannt sein, sowie ihr Charakter und das Interviewverhalten.<br />
Ein günstiges Gesprächsklima erhöht die Wahrscheinlichkeit auf ein erfolgreiches Interview. Bei Privatpersonen wäre ihr Zuhause am besten, bei Angestellten ihr Arbeitsplatz usw.<br />
Ein kompetenter Gesprächspartner ist die erste Wahl.<br />
Der Fragenkatalog sollte im Vorfeld erstellt werden, dennoch ist Flexibilität wichtig.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> Der Aufbau des Interviews:</span></p>
<ol>
<li> Aufwärmphase mit „Eisbrecherfragen“. Diese sollten situationsbezogen sein und Vertrauen schaffen. Humor ist wichtig und kann der erste Schritt zum Interviewpartner darstellen. (z.B. am Sonntagvormittag: „Wie hat Ihnen das Frühstücksei geschmeckt?“) Ein gutes Gespür ist wichtig, da nicht alle Partner auf Humor anspringen.</li>
<li>Allgemeine Fragen zum Anfang stellen, die speziellen erst später. Personenbezogene Daten sollten bei einem abdruckfähigem Interview im Vorhinein geklärt werden; bei Rechercheinterviews oder welchen, die nur ganz kurz sind, am Ende.</li>
<li>Einfache Frage stellen, die nur ein Thema beinhalten. Schlechtes Beispiel: „Haben Sie gestern RTL gesehen und wenn ja, wie fanden Sie es?“</li>
<li>Die Gesprächsführung muss in der Hand des Journalisten bleiben. Keine Gegenfragen zulassen! Wenn der Gesprächspartner vom Thema abkommt, darauf zurückführen. Den Redefluss unterbrechen, nicht in Grund und Boden labern lassen. Evtl. Zwischenfragen stellen und immer nachfragen, wenn etwas unklar ist, oder der Leser es so nicht verstehen würde. Wenn der Partner einer Frage ausweicht (Politiker!), die Frage umformulieren und wieder stellen.</li>
<li>Beobachtungen am Rande beleben nicht nur den späteren Artikel, sondern geben manchmal Aufschluss über bestimmte Antworten. Notizen über Kleidung, Mimik, Gestik und das Umfeld machen den Artikel lebendiger. Vermerke über seltsame Reaktionen bei bestimmten Themen verhelfen später der kritischen Aussonderung von Antworten.</li>
<li>Personenbezogene Daten sollten mindestens den Namen, das Alter und die Funktion desjenigen beinhalten. z.B. Martin Schlegel, 45, Direktor der Firma Fliesen-Extrem. Bei Funktion nachfragen: Ein „Service-Manager“ ist einfach nur Reinigungspersonal. z.B.: „Ich bin Service-Manager…“ / „Haben Sie da eine leitende Funktion?“ / „Nönö, ich mach hier nur alles reene…“</li>
</ol>
<p>Beim Interview sind zwei Ebenen entscheidend: Die Sachebene bezieht sich ausschließlich auf das Gesprächsthema; die persönliche Ebene meint „Wie steh ich zu demjenigen?“ und „Wie möchte ich, dass er zu mir steht?“. Sind evtl. Sympathien vorhanden?<br />
Eine beliebte Technik bei der Gesprächsführung nennt sich „Good Guy – Bad Guy“. Der eine Journalist stellt den „Good Guy“ dar und baut während des Interviews eine fast freundschaftliche Beziehung zu dem Gesprächspartner auf. Der „Bad Guy“ hakt bei jeder Antwort kritisch nach. Er soll den Partner beunruhigen und Antisympathien erzeugen. Diese erzeugen gleichzeitig Sympathien bei dem „Good Guy“, der nun in der Lage ist, weitergehende, vielleicht geheime Informationen dem Partner zu entlocken.</p>
<p>Während des Interviews sollte die Kompetenz des Befragten überprüft werden. Im Befragungsplan sollten zwei Fragen dabei sein, über die der Journalist unheimlich viel weiß. Eine allgemeine Frage zu einem Thema (z.B. Werte in der heutigen Gesellschaft) und eine spezielle Frage (Wertevorstellungen von Jugendlichen der Mittelklasse).</p>
<p>s dürfen nur offene Fragen verwendet werden, also keine Fragen, die man mit Ja oder Nein bzw. Gut oder Schlecht beantworten kann.<br />
Die Sprachebene sollte dem Gesprächspartner angepasst werden. Wenn ein Teenager zum Thema Jugend befragt wird, ist die Sprachebene des Journalisten eine andere, als wenn ein Sexualexperte oder Sozialforscher antwortet.</p>
<p>Im Laufe der Zeit ist es ratsam eine Kartei aller Interviewpartner anzulegen. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt das Thema wieder aktuell sein, kann derselbe wiederum befragt werden. (Hat sich seine Meinung geändert?) In dieser Kartei sollte folgendes stehen: Fachkompetenz, Standartdaten (Name, Alter…), Interviewstichpunkte mit Datum, Verhalten und Ängste vom Partner, Vorlieben. Wird derjenige wieder interviewt, dann kann das Interview so anfangen: „Haben Sie immer noch diesen schwarzen Mercedes?“ bei einem Cabrio-Liebhaber beispielsweise. Dies ist eine gute Basis für ein Interview und zeigt dem Befragten, er sei so wichtig, dass der Journalist sich das gemerkt hat – auch eine wichtige psychologische Taktik, die das Ego des Partners steigert.</p>
<p><strong>V. Die Interviewpartner</strong></p>
<ol>
<li>Der Experte: Er fühlt sich selbst wie ein Experte (an den Nachweis denken!). Er ist da, um das Unwissen des Journalisten zu kompensieren. Er kommt oft ins Schwafeln und hat einen Fachsprachduktus. Falls man ihn nicht versteht, kann man die Aussage „Das hab ich nicht kapiert“ umgehen, indem man sagt: „Die Leser würden das jetzt nicht so verstehen. Können Sie das noch mal einfacher und kürzer formulieren?“</li>
<li>Der Augenzeuge: Er ist relativ unkompliziert und will sich meist wichtig machen. Er vertritt nur selten eigene Interessen und will Informationen einfach nur weitergeben.</li>
<li>Der Hauptakteur: Er zieht sich gern aus der Situation zurück. Hier gilt es denjenigen aus der Versenke zu locken.</li>
<li>Der Prominente: Er ist Objekt der Verwunderung, Bewunderung und Beachtung. Er sieht bei einem Interview „das Publikum dabeisitzen“. Dabei sollte an die Leser gedacht werden und ob das oder jenes die Leser interessiert. Das Publikum will immer Befriedigung voyeuristischer Bedürfnisse. Grundsätzlich sind Prominente schwierige Menschen. Sie stellen gern die Selbstsicherheit des Journalisten infrage und überprüfen, ob denn der Journalist weiß, wofür derjenige den Grammy bekommen hat. (Gute Recherchearbeit!)</li>
<li>Der Künstler: Er ist sich seiner Rolle bewusst. Es ist wichtig, seine Werke zu kennen, da auch der Künstler gern das Vorwissen des Journalisten prüft. Dabei baut er gern absichtlich Fehler in Aussagen ein. Hier muss der Journalist nachhaken und Vorwissen beweisen. Balkonfragen helfen, Vorwissen zu vermitteln: Fakten und dann danach fragen z.B. „Sie haben ja in Ihrem Buch versucht den Charakter eines erzieherisch enttäuschten Jugendlichen darzustellen. Inwiefern betrifft dies auch Ihre Jugend?“</li>
<li>Der Politiker: Er hat immer Allgemeinsätze auf Lager. (z.B. „Die Bildung ist das oberste Ziel unserer parteilichen Bemühungen…“) Er will seine Interessen vertreten und durchsetzen, jedoch darf der Politiker von Journalisten hart ran genommen werden. Eine Provokation kann unverhofft Informationen entlocken. Hohes Vorwissen ist vorausgesetzt. Der Journalist muss unbedingt Souveränität zeigen</li>
</ol>
<p><strong>VI. Das Artikelschreiben</strong></p>
<p>(Anmerkung: Im Folgenden erscheinen viele Verbote und Tabus für Journalisten. Die Beachtung dieser Regeln ist sicherlich schwierig, anstrengend und wird das flüssige Schreiben behindernd. Für die seriöse, journalistische Arbeit sind sie aber unabdingbar.)</p>
<p>s gibt ein paar allgemeine Regeln, die man beim Schreiben von journalistischen Texten kennen sollte. „Natürlich sind Regeln zum Brechen da, aber man muss sie erst einmal kennen, bevor man sie brechen kann.“ – Silvio Heinze und Greta Taubert, beide junge Journalisten.<br />
Im Artikel darf niemals eine Wertung durch den Autor stehen! Das „Ich“ sollte aus dem Wortschatz eines jeden Journalisten gestrichen werden, ähnlich ist es mit dem „meines Erachtens“ usw. Noch mal:<br />
Wertungen sind tabu!</p>
<p>Dies ist ausnahmsweise eine Regel, die nicht gebrochen werden darf. Es klingt schwierig umzusetzen, aber bei besonderen Themen, kann man spezielle Artikelformen wählen, die diese Themen dem Leser näher bringen, ohne dass eine Wertung vom Autor erfolgt.Wertungen können durch sprachliche Mittel wie Ironie und Sarkasmus erfolgen, wodurch letztere verboten sind. Nicht zuletzt auch deswegen, weil diese Formen verschiedene Interpretationen zulassen und nicht klar ist, ob sie vom Leser als Ironie bzw. Sarkasmus verstanden werden.</p>
<p>llgemeinformen und Floskeln sind verboten. Thomas Knüwer, Redakteur des „Handelsblatt“ sagte passend: „Der journalistische Wortschatz sollte spätestens bei der Fußballer- und der Seefahrersprache aufhören. Formen wie ‚eine frische Brise’ oder ‚den Ball ins Rollen bringen’ gehören hinter Schloss und Riegel.“<br />
Die Verwendung von Adjektivformen ist genauso untersagt. Beim Redigieren des Artikels sollte darauf geachtet werden, alle Adjektive herauszukürzen. Passivformen sind wegzulassen. Grundsätzlich kann jede Passivform in eine Aktivform gewandelt werden.Fremdwörter und Anglizismen sind zu vermeiden, ansonsten sollten diese immer erklärt werden. Man kann den Leser nicht als dumm genug betrachten, wenn man einen Artikel schreibt bzw. redigiert.<br />
Logischerweise müssen Zitate auch als solche gekennzeichnet werden.<br />
Und der Journalist muss immer im Hinterkopf haben, dass ein kritischer Satz einen Menschen vernichten kann!</p>
<p><!--more--><strong>VII. Die Artikelformen</strong></p>
<p>In einer Zeitung gibt es im Allgemeinen sechs Artikelarten. Die Nachricht ist die kompakteste Form. Der Bericht ist etwas ausführlicher. Die Reportage wird als Königsdisziplin bezeichnet. Das Feature kennen sogar einige Journalisten nicht. Der Kommentar lässt als einziges die Meinung des Journalisten zu. Die Glosse ist durch Einbindung von Satire und Ironie wohl am schwierigsten.<br />
Eine Sonderform, die nicht mehr zur reinen Informationsvermittlung gehört, ist die Betrachtung.</p>
<p><strong>VIII. Die Nachricht</strong></p>
<p>Der Sachverhalt muss sich vom alttäglichen unterscheiden. Eine Nachricht enthält etwas Neues oder von allgemeinem Interesse. Die Information ist für die Zielgruppe bedeutsam. Für eine Nachricht entscheidend ist die Themenkarriere oder Anschlusskommunikation, z.B. „Der Schulbus hat immer noch kein TÜV“. Von Interesse sind Elitepersonen bzw. Eliteorganisationen. Z.B. „Sarah Conner fährt mit Schulbus“. Ein Unfall (Negativität) erweckt allgemeines Interesse. Ein anderer Aspekt ist die Emotionalität („Schulbus als Liebesnest“), der Personenbezug („Busfahrer Müller liebt seinen Bus seit 40 Jahren“) und die Nähe („Unsere Schule kriegt eigenen Schulbus“). Ein krasses Beispiel, dass den Faktor Nähe in Bezug auf Nachrichten veranschaulicht, ist der Bombenanschlag von London. Die 30 Personen, die dort gestorben sind, waren in den Medien interessanter als die 1000 Hungertote in Afrika.</p>
<p>Wiederum wichtig ist die wertungsfreie Wiedergabe des Sachverhalts. (Objektivität!) Herkunft und Quelle der Information müssen nachvollziehbar sein. Statt „Ein Busfahrer erklärte…“: „Der Busfahrer Tom Müller, 37 Jahre, erklärte…“ Die Nachricht muss aber vor allen Dingen verständlich sein:</p>
<ul>
<li>Sie darf kein Wissen voraussetzen</li>
<li>Knapp und präzise gehalten</li>
<li>Möglichst kurze Sätze (nicht länger als 15 Wörter)</li>
<li>Einbauen von Zitaten wegen Spannung und Authentizität</li>
<li>Muss inhaltlich W-Fragen beantworten Wer, Was, Wann und Wo, Wie, selten Warum</li>
</ul>
<p>Leadsatz: Wer? – Was? – ist der wichtigste Satz bei der Nachricht und ist der erste in dem Artikel.</p>
<p><strong>IX. Der Bericht</strong></p>
<p>Dies ist der „große Bruder“ der Nachricht. Er ist vor allen Dingen länger und ausführlicher. Hintergründe werden stärker verarbeitet. Aber der grundsätzliche Aufbau einer Nachricht bleibt erhalten. Wiederum am wichtigsten ist der Leadsatz, in dem die entscheidende Information an den Mann gebracht wird. Er erscheint am Anfang des Artikels, danach folgen die Herkunft der Information und ein Zitat. Erst dann sind Hintergrundinformationen angebracht.<br />
Der Bericht kann mit einem bunten, szenischen Einstieg beginnen. Zitate stellen wichtige Instrumente zur Veranschaulichung und der Authentizität dar und sollten abwechselnd in direkter und indirekter Rede benutzt werden. Es bleibt dabei, dass keine Wertung erfolgen darf.</p>
<p>ie Sprache sollte knapp und präzise bleiben. Sätze müssen einfach und kurz sein und dürfen nicht mehr als 13 bis 15 Wörter enthalten. Eine klare Zeitverwendung ist Pflicht: Perfekt für Vergangenheit, Präsens für Gegenwart bzw. Vergangenheit, wenn es um aktuelle Themen geht.<br />
Passivformen müssen vermieden werden. Der Journalist sollte anschaulich bleiben, aber keine Allgemeinplätze verwenden. Abkürzungen und für den Leser unbekannte Begriffe werden in Klammern erklärt. Floskeln wie „tragischer Unfall“ sind genauso verboten wie der Blähstil („in seiner Eigenschaft als Busfahrer“, stattdessen „als Busfahrer“) als auch das Behördendeutsch („Reparatur durchführen“, stattdessen „reparieren“). Fremdwörter sollten nicht verwendet werden („Im Kontext der Reparatur“). Adjektive sollten durch Verben ersetzt werden.</p>
<p>Personen müssen immer mit vollständigem Namen und der Funktion erwähnt werden. Sprachbilder und Klischees haben keinen Platz im Bericht, genauso wie in jeder anderen journalistischen Artikelform. Der Journalist sollte keine rhetorischen Fragen verwenden (z.B. „Hat der Busfahrer wirklich Schuld an dem Unfall?“). Kleine Worte wie „Asylant“ statt „Asylbewerber“ bringen unterschwellig eine Wertung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Form des Berichts: Ereignisbericht</span></p>
<ul>
<li>handelt über feststehende Termine</li>
<li>viele Perspektiven stellen unterschiedliche Meinungen dar (z.B. Veranstalter, Gäste, Kritiker, Künstler…)</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;">Handlungsbericht</span></p>
<ul>
<li> beschreibt die Entwicklung eines Geschehens</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;"> Zitatenbericht</span></p>
<ul>
<li> gibt ein Interview in Berichtform wieder</li>
</ul>
<p>Darüber hinaus gibt es noch weitere.</p>
<p><strong>X. Die Reportage</strong></p>
<p>Hier bleibt immer noch der nachrichtliche Kern erhalten. Sie beschreibt nicht nur den Fakt, sondern die Handlung. Der Reporter dient als Auge des Lesers. Jedes kleine Detail ist wichtig. Der individuelle Blickwinkel vermittelt etwas Subjektivität, erlaubt aber keine Wertung. Der Leser sollte in der Lage sein zu werten.</p>
<p>in roter Faden sollte die gesamte Reportage durchziehen. Dies kann ein Thema, ein Detail oder eine Person sein, die immer wieder auftaucht. An diesem roten Faden muss der Fakt aufgezogen werden. Zu viele Details machen aus einer Reportage ein Portrait. Ein Handlungsbogen gibt die Dramaturgie vor und ein Mosaik aus Beobachtungen setzt sich vor dem geistigen Auge des Lesers zu einem Bild zusammen. Wichtig ist der Perspektivenwechsel, um nicht bei einer Person oder einer Sache zu bleiben und damit einseitige Berichtführung zu provozieren. Der Journalist tritt nie in Erscheinung und spricht auch nicht, er lässt die Protagonisten für sich reden. Wenn der Journalist eine Wertung anbringen will, so lässt er dies durch den Protagonisten machen. Dabei stellt er den Personen gezielte Fragen, um gewünschte Antworten zu bekommen und kann nun diese verarbeiten.<br />
Wortspiele können unter Umständen eingesetzt werden. Dennoch sind wertende Formen wie Ironie und Sarkasmus strikt verboten.</p>
<p><strong>XI. Das Feature</strong></p>
<p>Diese Artikelform ist selbst von Journalisten manchmal nicht bekannt. Der Begriff heißt soviel wie „Gesichtszug“ oder „charakteristisches Merkmal“.<br />
Situationen und Personen dienen als Beispiel für die Sache. Unter Umständen darf das Feature ausgedacht werden, die ist jedoch mit Kritik zu betrachten. Am Ende des Features muss der Leser ein komplexes soziologisches, politisches o.a. Thema verstehen, indem der Journalist ein exemplarisches Beispiel darstellte.<br />
Wichtig ist, dass die Kulisse zuerst da ist und dann erst die Protagonisten erscheinen, die Handlung geschieht, wieder gehen und die Kulisse erhalten bleibt. Der Blickwinkel folgt nicht einer Person oder Sache wie bei der Reportage, sondern bleibt starr an einer Position. Auf den Protagonisten darf nicht näher eingegangen bleiben. Er muss stereotyp bleiben und ist somit auswechselbar.</p>
<p><strong>XII. Der Kommentar</strong></p>
<p>Er gehört zu den zwei Meinungsbetonten Darstellungsformen des Journalisten.</p>
<p>Kommentar und Glosse</p>
<ul>
<li> Bewertung von Ereignissen</li>
<li>Einordnung in größere Zusammenhänge</li>
<li>Untersuchen von Meinungen</li>
</ul>
<p>Im Kommentar setzt sich der Journalist ernsthaft mit einem Thema auseinander. Er ist auf nachrichtliche Ereignisse bezogen; im Idealfall erscheint er in einer Ausgabe einer Zeitung, in der die passende Nachricht mit abgedruckt ist. Der Kommentar erläutert die Wichtigkeit eines Themas, stellt Zusammenhänge her und untersucht die Entstehung von Meinungen.<br />
Lösungsansätze zu Problemen werden diskutiert: Warum ist was am wichtigsten? Welche Folgen hat dies? Der Kommentar gibt aber nicht immer nur Antworten, sondern wirft Fragen auf.</p>
<p>Die Gestaltung teilt sich in These, Argumentation und Fazit. Eine logische, nachvollziehbare Struktur vereinfacht das Verstehen für den Leser. Wichtig sind die Arbeit mit Argumenten und der Verzicht auf Polemik und Ironie, da dies zum einen wertend ist und zum anderen einen gewissen Interpretationsspielraum zulässt. Der Kommentar sollte intersubjektiv nachvollziehbar sein, d.h. so objektiv wie möglich. (Übrigens eine verbotene Form: „so schnell / schön / etc. wie möglich“) Wird der Sachverhalt nicht im nebenstehenden Artikel erklärt, muss dieser im Kommentar integriert werden.</p>
<p>Der Einstieg zum Kommentar sollte thematisch sein, durch eine These erfolgen oder in Form eines Sentenzeneinstiegs: vom großem Thema auf das kleine eingehen. Als erstes sollten immer Thesen formuliert werden. Ein erklärendes Referat stellt die Lage dar. Argumentationen müssen mit Tatsachen und nicht mit dem fiktiven „Was-wäre-wenn“ geschehen. Widerlegende Argumente gilt es ebenso auszusprechen, aber zu entkräften, um die eigene Meinung damit zu stärken.<br />
Der Ausstieg sollte resümierend sein (Schlussfolgerungen) oder fokussierend (einen Aspekt hervorheben).</p>
<p><!--more--></p>
<p><strong>XIII. Die Glosse</strong></p>
<p>Sie ist die unseriöse Schwester und die schwierigste Form des Kommentars. Sie arbeitet mit satirischen Mitteln: verspottet, spitzt zu, übertreibt und erfindet. Aus einer Nachricht wird ein Element ergriffen und mit einem komischen Widerspruch konfrontiert. Danach wird zu der überraschenden Pointe hingeführt.<br />
Nachdem die Nachricht eine emotionale Reaktion bewirkt hat, muss ein Element heraus gegriffen und Widersprüche entdeckt werden (zwischen Form und Inhalt, Stil und Mittel…). Wenn der schwächste Punkt gefunden wurde, müssen die Widersprüche verschärft werden, indem sie philosophisch erhöht oder auf die Welt übertragen werden.<br />
Andeutungen sollten immer zwischen den Zeilen erfolgen. Der Leser darf nicht zu einer Wertung bevormundet werden.</p>
<p><strong>XIV. Die Betrachtung</strong></p>
<p>Die Betrachtung ist die wohl subjektivste Artikelform. Hier werden jegliche Sinneseindrücke verarbeitet. Schon bei der Recherche sollten auf verschiedene Eindrücke geachtete werden: Farben, Farbtöne, Spiel von Licht und Schatten, Übersichtlichkeit oder Chaos, Ruhe oder Unruhe, Lärm oder Stille, Hitze oder Kälte, Wärme oder Kühle, Gerüche, Wirkungen von Eindrücken usw.<br />
Da aber die Eindrücke stark szenisch umgesetzt werden, kommt es nicht zu einer Überladung von Eigenschaften und Adjektiven. Sprachliche Mittel wie Ellipse und andere Wortfiguren finden hier die meiste Verwendung im Vergleich zu den anderen Artikelformen.</p>
<p>Beispiel für eine Betrachtung &#8220;Die Stille ist ein Raum&#8221;.</p>
<p><strong>XV. Das Ende</strong></p>
<p>Am Ende möchte ich mich kurz bei Greta Taubert und Silvio Heinze bedanken, die den Versuch unternahmen, mir dieses gesammelte Wissen des Journalismus in zwei Woche beizubringen. Hey, ich hab’s nicht einfach mitgepinselt und vergessen – das ist doch was, oder?</p>
<p>Liebe Grüße an alle Medienlager ´05 – Veteranen!<br />
Jonny Krüger, der Autor</p>
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<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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