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	<title>Jonny Krüger &#187; Reportage</title>
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		<title>Im Zug zum Hambacher Fest</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2007 21:45:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonny Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Hambacher Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Ich liege im Zug zum Journalistentreffen im Hambacher Schloss, Neustadt (Weinstraße). Dies ist ein kurzer Bericht von einem stehenden Zug, vielen Sprachen und noch mehr Rettungskräften.<span id="more-53"></span></p>
<p>Dass der EuroNight-Zug EN 352 von Dresden nach Frankfurt (Main) mir wenig Schlaf zugestehen würde, hat mir mein Vater schon vorhergesagt vor der Fahrt. So ist es dann auch. Ich drehe mich in der Liege viertelstündig von einer Seite zur nächsten. Unter mir schnurrt nicht mehr die hübsche Blonde, die in Prag schon eingestiegen war. In Fulda verließ sie den Zug. Über mir wälzt sich fast in meinem Takt eine junge Frau.&#8230;</p>


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liege im Zug zum Journalistentreffen im Hambacher Schloss, Neustadt (Weinstraße). Dies ist ein kurzer Bericht von einem stehenden Zug, vielen Sprachen und noch mehr Rettungskräften.<span id="more-53"></span></p>
<p>Dass der EuroNight-Zug EN 352 von Dresden nach Frankfurt (Main) mir wenig Schlaf zugestehen würde, hat mir mein Vater schon vorhergesagt vor der Fahrt. So ist es dann auch. Ich drehe mich in der Liege viertelstündig von einer Seite zur nächsten. Unter mir schnurrt nicht mehr die hübsche Blonde, die in Prag schon eingestiegen war. In Fulda verließ sie den Zug. Über mir wälzt sich fast in meinem Takt eine junge Frau. Die andere untere Liege ist von einem Pärchen belegt und der zweite oberste Schlafplatz von dem Begleiter der Frau über mir. Jetzt wo die hübsche Blonde weg ist, wird in dem Abteil nur noch Englisch gesprochen.</p>
<p>Ich beobachte eine Zeit lang die Landschaft an unserem Abteilfenster vorbeiziehen. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens und dementsprechend ziehen die Laternen der schwach beleuchteten Straßen Lichtstreifen über das Glas. Ein kleiner Spaziergang führt mich zu der Toilette, die noch von einem französisch sprechenden, älteren Mann besetzt ist. Ich erinnere ihn an seine vergessene Zahnpasta und verschließe die Toilettentür hinter mir.</p>
<p>Als ich wieder unser Schlafabteil betrete, hält der Zug. Zu beiden Seiten sehe ich ausschließlich Büsche. Während ich mich in dem engen Abteil umziehe, rieche ich Verbranntes. Meine Annahme, der Zug brenne &#8211; Dass man sofort mit dem Schlimmsten rechnet! -, kann ich weitestgehend ausschließen. Weder Feuer noch Rauch ist sichtbar. Die vielen Gleiswechseln, die wir hinter uns haben, ließen mich eines erkennen: Unter uns ist die Achse des Wagens; so schließe ich, dass der Streichhölzchen ähnliche Geruch von den Bremsen kommt.</p>
<p>Der Wagenbegleiter zieht sich eine Reflektorweste an und verlässt zügig den Wagen in vorderer Richtung. Seine weibliche Kollegin telefoniert aufgeregt. Trotz Schlafmangels und der frühen Tageszeit beginnt bei mir ein Denkprozess. Ich kenne schon ähnliche Situationen. Zu oft stand einer meiner Züge. Kurze Zeit später wird meine Vermutung von dem Wagenbegleiter bestätigt: Personenschaden. Es sei damit zu rechnen, dass der Zug noch mindestens eine Stunde stehe. &#8220;Wie weit sind wir von Frankfurt entfernt?&#8221;, frage ich ihn. Zehn Minuten, ist seine Antwort. Er müsse weiter.</p>
<p>Die Zeit vergeht. Aufregung macht sich breit. Ich muss die französisch sprechende Familie informieren und den anderen aus meinem Abteil ins Englische übersetzen. Letzeres funktioniert einigermaßen. Französisch habe ich jedoch nie gelernt. Da ihr Englisch gebrochen ist, kommunizieren wir in einer Mischung aus Englisch und Gebärdensprache.</p>
<p>Eine deutsche Frau aus einem der nächsten Abteile hat Ähnliches zu tun. Sie übersetzt einer indischen Familie ins Englische und beweist sich vokabelsicherer als ich. Als Abiturient mit Prüfungsfach Englisch macht es mir schon etwas Bedenken. Sie verschwindet für kurze Zeit. Ich esse eines meiner Brötchen, die mir Mutti auf den Weg gegeben hat. Als die Deutsche wiederkommt, weiß sie mehr. Eine Person hätte auf der Brücke gestanden, unter der wir durchgefahren sind. Er oder sie müsse wohl vor den Zug gesprungen sein. Der Rest erübrige sich.</p>
<p>Das Bild des Gestürzten wird in meinen Gedanken sichtbar. Ich sehe den Zug darüberfahren, bremsen. Mein Magen möchte das Brötchen wieder von sich geben, als mir klar wird, dass ich keine glühenden Bremsen gerochen habe, sondern verbranntes Blut.</p>
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<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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